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Landesverband Westfälischer und
Lippischer Imker e.V. |
Honigmarkt
Vortragstagung beim Honigmarkt 2014 |
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| Verfasst am 30.10.2014 |
Infos über aktuelle Forschungsergebnisse auf verschiedenen Gebieten erhielten die Zuhörer des hochkarätig besetzten Vortragsprogramms.
Dr. Andreé Hamm vom Institut für Nutzpflanzenschutz und Ressourcenforschung der Uni Bonn stellte in seinem Referat die ökologische und hohe ökonomische Bedeutung der Honig- und Wildbienen besonders in landwirtschaftlich geprägten Ökosystemen heraus.
Ein anhaltender Rückgang der Bestäuberinsekten, insbesondere der Wildbienen führe zu einem Bestäuberdefizit, sodass sich nicht nur die Pflanzenvielfalt verringere, sondern auch die Erträge der Landwirtschaft, warnte er.
Täglicher Honiggenuss ist gesund
„Kann denn Honig Sünde sein?“, fragte Dr. Annette Schroeder von der Landesanstalt für Bienenkunde der Uni-Hohenheim in Baden-Württemberg und sprach damit vor allem Verbraucherinnen an. Honig bestehe zwar zu 80 % aus Zucker und zu 20 % aus Wasser, enthalte darüber hinaus aber viele wertvolle Inhaltsstoffe, so die Referentin.
Sie warb für den täglichen Honiggenuss. Denn Enzyme, Säuren, Antioxidantien, Vitamine und Spurenelemente des Honigs wirkten appetitanregend und verdauungsfördernd, antibakteriell und stärkend auf Herz, Kreislauf und das Immunsystem.
Nebenbei verriet Dr. Annette Schroeder auch, weshalb ein Glas Milch mit Honig den Schlaf fördert: Über verschiedene Stoffwechselvorgänge ermöglicht der Traubenzucker im Honig die Umwandlung von Milcheiweiß in den Botenstoff Serotonin, der das Einschlafen fördert sowie in das Hormon Melatonin, welches den Schlaf reguliert.
In den Genen der Bienen lesen
Derzeit stellt die Varroamilbe die wohl größte Bedrohung für die Honigbiene dar. Deshalb ist sie Forschungsobjekt in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, beispielsweise in der Bienenzucht.
Hierzu referierte Prof. Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstitutes für Bienenkunde Hohen Neuendorf, Brandenburg. In seinen Ausführungen wurde rasch deutlich, dass umherfliegende Bienen nicht so leicht zu züchten sind wie Schweine und Kühe, die sich in Ställen voneinander trennen lassen.
Da der Krankheitsdruck künftig eine viel größere Rolle spielen werde, sei vor allem die Erkennung von Resistenzen zukunftsweisend. Der Forscher arbeitet daran, eine genomische Selektion zur Varroatoleranz zu entwickeln. Einzelne Bienen seien in der Lage, die Varroamilbe in der Zelle zuerkennen, diese auszuräumen und dem Parasiten damit seine Lebensgrundlage zu entziehen. „Wir entwickeln Methoden, im Genom dieser Bienen zu lesen und sie zu selektieren. Damit könnten wir den Züchtern unter Ihnen deutlich bessere Infos geben“, zeigte sich Bienefeld optimistisch.
Brutpause schwächt Varroamilbe
Auf besonders großes Interesse seitens der Imkerinnen und Imker stieß der Vortrag von Dr. Marina Meixner vom Bieneninstitut Kirchhain in Hessen. Sie gab praktische Tipps, wie Imker der Varroamilbe und ihrer Begleiter, dem Flügeldeformationsvirus und dem Akuten-Bienen-Paralyse-Virus begegnen können.
Hilfreich sei eine Brutunterbrechung der Bienen, um die Bruttätigkeit der Varroamilbe zu schwächen. Dazu empfiehlt sie neben den üblichen Behandlungsmaßnahmen mit organischen Säuren etwa zwei Wochen vor Trachtende die Bildung von Kunstschwärmen. Damit könne dann die erste Ameisensäurebehandlung entfallen.
„Dieses Verfahren schwächt das Volk zwar kurzfristig, aber wenn Sie nicht zu spät damit beginnen, erreicht es eine ausreichende Einwinterungsstärke“, beruhigte Dr. Meixner skeptische Zuhörer. Wichtig seien darüber hinaus regelmäßige Befallskontrollen, um die Schadschwelle im Auge zu behalten und rechtzeitig eingreifen zu können.
Fotos und Berichte von Gerburgis Sommer
Zuletzt geändert am 31.10.2014
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