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Landesverband Westfälischer und
Lippischer Imker e.V.


Fachbereich Bienenweide, Umwelt- & Naturschutz

 

► zum Blühenden Band durch unser Land

 

 

Das Kreuz mit dem Kraut – Jakobskreuzkraut (JKK) auf dem Vormarsch

Verfasst am 11.08.2015

Das Kreuz mit dem Kraut – Jakobskreuzkraut (JKK) auf dem Vormarsch

Aufklärung und wirksame Bekämpfung sind dringend notwendig

 

Nicht nur im Bereich des Grünlandes, sondern insbesondere auf Brachflächen und an

Straßenrändern ist ein massives Ausbreiten des giftigen JKK zu beobachten.

Landwirte und Pferdebesitzer, aber auch die Imkerschaft sollten genau über die

Pflanze und wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten informiert sein.

Eine gezielte Aufklärung der Bevölkerung ist eine zusätzlich notwendige Maßnahme.

 

Fläche mit Jakob-Kreuzkraut im Münsterland

 

Imker, deren Bienenvölker in der Nähe größerer Bestände von Jakobskreuzkraut

stehen, sollten den eingetragenen Honig rechtzeitig vor der Blüte abschleudern

oder abwandern.

 

JKK enthält Giftstoffe: die leberschädigenden und krebserregenden

Pyrrolizidin-Alkaloide (PA). Besonders gefährdet sind Pferde und Rinder, auf

deren Weiden das Kraut wächst. Erfahrene Tiere meiden die giftigen Pflanzen wegen

ihrer Bitterstoffe, nicht aber bei Futterknappheit und im frühen Stadium von bis zu

acht Wochen, in dem noch keine Bitterstoffe, wohl aber PA vorhanden sind.

Hinzu kommt, dass die Giftstoffe im Heu und in der Silage wirksam bleiben.

Das Gravierende an diesen Stoffen ist, dass sie nicht ausgeschieden werden, sondern

sich im Körper, vor allem in der Leber ansammeln. Dadurch führt auch die wiederholte

Aufnahme von kleinen Mengen zu einer Vergiftung, die tödlich verläuft, da es keine

Heilungsmöglichkeiten gibt.

 

Über Bienen gelangten die giftigen PA in geringer Dosis bereits in deutsche Honige

(Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR). Als besonders hoch empfindlich

reagierend werden vom BfR sowie auch von der WHO Kinder eingestuft.

Da die PA auch milchgängig sind sowie in Eiern nachgewiesen

werden können, sieht das BfR hier dringenden Forschungsbedarf.

 

 

Nektarsammelnde Biene auf Jakob-Kreuzkraut

 

Die von Juni bis September leuchtend gelb blühenden Pflanzen breiten

sich durch ihr extrem hohes Samenpotential und ihre höchst anspruchslosen

Standort- und Klimabedingungen explosionsartig aus, sofern nicht rechtzeitig

Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden. Eine ausgewachsene Pflanze

kann bis zu 150.000 Samen mit einer Keimfähigkeit von bis zu 20 Jahren produzieren.

Ihre Flugsamen verbreiten sich über Wind und durch Mitnahme von Fahrzeugen.

Mit ihren Haftflächen kontaminieren sie nachbarschaftliche Gras- und Wiesenflächen,

die der Futtermittelgewinnung dienen oder aktuell beweidet werden und werden

so zur Gefahr, selbst wenn der Bewirtschafter auf seinen Flächen

gegen die vegetative Ausbreitung angeht.

 

Zur Bekämpfung des JKK gibt es entsprechende Empfehlungen der

Landwirtschaftskammer, wobei eine Bekämpfung in Naturschutzgebieten nicht

erlaubt ist, da es sich um eine heimische Pflanze handelt.

Die oben genannten Probleme zeigen auf, dass hier aus Verbraucher- und

Tierschutzgründen dringender Diskussions- und Handlungsbedarf besteht

um eine weitere explosionsartige Ausbreitung der giftigen Pflanze zu verhindern.

 

Entscheidend für eine durchgreifende Bekämpfung ist eine genaue Pflanzenkenntnis um

das JKK von anderen ähnlich aussehenden unproblematischen Blühpflanzen zu unterscheiden.

 

Hinweise zu Informationsmaterial und Aktionen zur Bekämpfung des JKK:


Verfasserin: Ulrike Rohlmann

Fotos: Hubertus Schlamann

 

 

 

Zuletzt geändert am 17.08.2015

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