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Lippischer Imker e.V.


Fachbereich Zucht

 

Entwicklung und Bedeutung der Zucht

Verfasst am 01.08.2010

Entwicklung und Bedeutung der Zucht


Schon, als der Mensch sesshaft geworden ist,  hat er Pflanzen und Tiere in seine Obhut genommen und schnell hat er sich entschieden, nicht  jede Pflanze oder jedes Tier, welches nur irgendwie seiner Ernährung oder seiner Bekleidung dienen konnte, zu pflegen und zu vermehren. Er bemerkte die natürlichen Unterschiede, die sich innerhalb der gleichen Population Nutzpflanzen oder Nutztiere, die er domestiziert hatte, vorkamen. So lag es nahe, bei der Vermehrung dieser Nützlinge eben auf die nützlichsten zuzugreifen. Mit dieser ursprünglichen Form der Zuchtauslese begann das Züchten. Es wurden immer nur die Individuen ausgewählt, bei denen die gewünschten Eigenschaften und Merkmale am deutlichsten ausgeprägt waren.
So konnte der Mensch schon früh durch sein züchterisches Handeln seine allgemeine Situation verbessern und er hat durch seine Auslese die Pflanzen und Tiere, die er sich zueigen machte, der jeweiligen Umgebung und seinen unterschiedlichen Bedürfnissen angepasst.
Dadurch entstanden Unterarten (Subspezies). In der Biologie werden Unterarten auch als Varietäten, in der Botanik als Sorten oder Sippen und in der Zoologie als Rassen bezeichnet. In der Natur sind Rassen, in der Regel, geografischen Gegebenheiten angepasst und werden dann als geografische Rasse angesehen.
Die Evolutionstheorie von Charles Darwin (1859) veranschaulicht eine natürliche Zuchtauswahl als Grundmechanismus des Evolutionsprozesses. Trennt sich über einen erdgeschichtlich längeren Zeitraum eine Unterart von den übrigen Mitgliedern der Art, so entsteht eine neue Art. Kreuzung und Vermehrung mit Individuen der bisher übergeordneten Art ist dann nicht mehr möglich (Artenschranke).
Gregor Mendel  (1869) hat mit den Ergebnissen seiner  Untersuchungen an Erbsen bereits  biologische Zusammenhänge entdeckt, die für ein gezieltes Vorgehen bei der Zucht von Nutztieren und Nutzpflanzen  von großer Bedeutung sind. Er selbst hat diese Bedeutung zu seiner Zeit noch gar nicht erkannt. Kern seiner Entdeckungen ist, dass Merkmale dominant oder rezessiv vererbt werden können. Weiter ist von eminenter Wichtigkeit, ob diese Merkmale reinerbig oder mischerbig  in den Erbanlagen der Zuchtobjekte vorhanden sind. Reinerbigkeit tritt dann auf, wenn vom Vater und von der Mutter des Zuchtobjektes identische Merkmale und Eigenschaften an die nächste Generation weitergegeben wurden. Vererbt Vater und Mutter unterschiedliche Merkmale, so tritt Mischerbigkeit auf und es erscheint bei der nächsten Generation das Merkmal, welches dominant vererbt wird. Das rezessive Gen eines Merkmals bleibt im Hintergrund und dieses Merkmal kann erst dann zum Vorschein kommen, wenn zwei rezessive Gene (eins vom Vater und eins von der Mutter), welche für dieses Merkmal verantwortlich sind, in einem Individuum vereinigt sind.

Wenn heute gezüchtet wird, dann sind dem Züchter zwei Dinge besonders wichtig. Als erstes ist es der Zuchtfortschritt, die Verbesserung der  Leistung. Als zweites ist es ein möglichst einheitliches Leistungsbild aller Nachkommen. Um jetzt ein möglichst einheitliches Erscheinungs- und Leistungsbild der Nachkommen zu erreichen muss Reinerbigkeit bei allen Nachkommen angestrebt werden. Am besten gelingt dieses, wenn nahe Verwandte als Zuchtpartner ausgewählt werden. Relative Inzucht zu betreiben, ist gängiges Verfahren, Zuchtfortschritt zu erzielen. Es werden also Leistungsunterschiede gemessen unter nahen Verwandten, z.B. Geschwistern mit gleicher Anpaarung, Die Leistungsstärksten werden zur Weiterzucht genommen und wiederum mit Leistungsstarken aus den Zuchtbemühungen der vorherigen Vaterseite verpaart.
Auf diese Weise gewinnt man Reinerbigkeit bei den Nachkommen, also ein gleichmäßiges Leistungsbild mit hohem Niveau.
In Kauf nimmt man dabei, das Inzuchtdepressionen auftreten, die manchmal auch zu Anfälligkeit und Abwehrschwäche bei auftretenden Infektionen und anderen gesundheitlichen Bedrohungen führen.
Diesem Problem wirkt man entgegen, in dem man am Ende der Zuchtbemühung, zwei Inzuchtlinien miteinander kreuzt, welche unabhängig voneinander auf ein vergleichbares Leistungsniveau gebracht wurden, jedoch nicht miteinander verwandt sind.
Diese Verpaarung zweier Zuchtlinien, welche unabhängig voneinander auf Leistungssteigerung selektiert worden sind, bringt Heterosis-Effekte mit sich, also eine Verstärkung der erwünschten Leistungssteigerung. Als Heterosis-Effekt bezeichnet man in der Genetik, der Pflanzenzucht und der Tierzucht die besonders ausgeprägte Heterozygotie der Erbanlagen bei Hybriden (Mischlingen). Sie führt dazu, dass Mischlinge besonders vital und leistungsfähig sind. Daher müssen Eltern zur Erreichung eines maximalen Heterosis-Effektes reinerbig und von unterschiedlicher Herkunft sein.
Da sich die Leistungssteigerung bereits in der nachfolgenden Generation verliert, muss immer wieder auf die nicht verwandten Inzuchtlinien zurück gegriffen werden.
 

Heinz-Josef Klein-Htpaß

Zuletzt geändert am 17.08.2010

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